19.12.16

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Diesen Blog habe ich sträflich vernachlässigt. Weil ich kein Mediziner bin. Habe inzwischen aber eine Menge zu meiner Meinungsbildung erfahren. Werde also auch hier mein Verständnis zu einigen Problemen und Fragen aus der „Verbrauchersicht“ sagen. Es sollte doch erlaubt sein zu sagen, ob Butter aus dem Saarland oder aus Irland besser schmeckt. Und ob Butter überhaupt für uns bekömmlich ist. Alles nur bildlich gesprochen.

Ein aktuelles Ereignis hat mich endgültig wieder zu diesem meinen Blog gebracht. Ein Freund ist im Krankenhaus. Wenn die gebräuchlichen Behandlungsprozeduren ihm helfen, können die Ärzte die Amputation eines Beines diesmal noch vermeiden. Der starke Raucher hat nicht erfasst, dass diese Variante ihm droht.

Hier schweife ich ab. Nicht selten „überrascht“ mich – schon nicht mehr – die Betreffzeile eines e-mail: „74351 Personen können nicht irren!“ (die Zahl ist austauschbar). Sachlich bedeutet das: die Mehrheit hat Recht! Der deutsche Dichter Friedrich Schiller hat dazu einen vernichtend richtigen Satz geprägt: „Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn, Verstand ist stets bei wenigen nur gewesen.“ 

Als meinem stark rauchenden Onkel mit 61 Jahren sein linkes „Raucherbein“ amputiert werden musste, hatte ich ein Gespräch mit dem Arzt, der ihn behandelte. Er bat mich – was ich schon getan hatte – dem Onkel keinerlei Rauchwaren mitzubringen. Es bestehe die Gefahr, dass dieser sehr bald in die andere Welt wechseln würde. Dieser Mediziner hat mir eine einprägsame Tatsache erzählt: die Anzahl jährlich amputierter „Raucherbeine“ weltweit – in Deutschland aktuell etwa 43.000 jährlich, Tendenz steigend – könnte, wenn diese Amputierten alle nach Berlin übergesiedelt würden und die gleiche Anzahl „zweibeiniger“ Berliner die Stadt verlassen, in vier Jahren aus dieser Stadt eine der Einbeinigen machen. Stellen Sie sich das einmal bildlich vor… 

Mein Onkel hat nach der OP nicht aufgehört zu paffen. Ist folglich wie vorhersehbar vier Monate später gestorben. Noch ein für mich deutliches Beispiel aus näherer Umgebung hier in der Ukraine. Einem Nachbarn, Kettenraucher, sonst aber ein gutmütiger und hilfsbereiter Mensch, wurde ein Lungenflügel entfernt. Trotz Warnung der Ärzte hat er sofort nach der Entlassung aus dem Krankenhaus wieder zu rauchen begonnen. Zwei Monate später wurde er beerdigt.

In aller Welt rauchen Männer und zunehmend auch Frauen. Viele Millionen – obwohl die Aufklärung inzwischen schon relativ weit ist. Können die sich irren – um wieder zum Fragesatz weiter oben zurück zu kommen? Die medizinische Praxis sagt eindeutig: Raucher leben extrem gefährlich. Denn in Deutschland sterben – oft schon vorzeitig – etwa 110.000 Personen jährlich an den Folgen des Rauchens. In der EU sind das rund 700.000 Menschen.

Hier lasse ich einmal draußen vor, was mich an Rauchern stört – der vermeintliche „Duft der großen weiten Welt“ – der Tabakqualm. Beziehe mich auf die Wirkung des Nikotins. Die Schäden durch dieses an unser aller größtem Organ – der eigenen Haut – sind beachtlich. Wer stark raucht, hat mit nur erst 40 Jahren biologisch schon die Haut eines 60-jährigen. Das bedeutet unter anderem auch die Schwächung des persönlichen Immunsystems. Werde die Schäden an inneren Organen nicht aufzählen – die sind meistens bekannt. Alle diese Nachteile kommen auf jeden Raucher zu. Wer wohlhabend oder gar reich ist, wird sicher die folgende Zeile belächeln: der täglich fünf Zigaretten rauchende Bürger „verfeuert“ bei einem Preis von abgerundet 4 (vier) Euro je volle Packung mit 20 Zigaretten rund 365 € im Jahr. Mit jeder Zigarette täglich mehr wird eine entsprechend höhere Summe „in der Pfeife geraucht“ – wie der Volksmund das bezeichnet.
Ausgezeichnet, wenn Sie nicht rauchen! Noch besser, wenn Sie endlich aufhören!

Bleiben Sie recht gesund!

Ihr

Siegfried Newiger





  

18.11.15

Heilungsstimmung



Nicht jedem wird das Motto des Hippokrates bekannt sein, formuliert von ihm schon vor rund 2400 Jahren: „Am Bett des Kranken stehen immer zwei – die Krankheit und der Arzt. Mit wem er geht, der siegt.“ Diese Worte habe ich erst vor wenigen Jahren erfahren. Sie haben mich davon überzeugt, dass unsere liebe Mutti Recht hatte, als sie uns sagte, man gehe ins Krankenhaus vor allem, um wieder gesund zu werden. Nicht, um über seine Leiden zu jammern. Sondern um sich über jeden kleinen Schritt zur Besserung zu freuen. Diese positive Grundstimmung hatte ich auch dann  immer, wenn die Umstände mich ins Krankenbett legten. 
Auch zuhause bin ich bei Unwohlsein nie einer der so überall als Stereotyp geltenden „Klagemänner“ gewesen. Zum Erstaunen meiner Ehefrauen. War recht ruhig und habe ebenfalls unbewusst ein erst vor kurzem gelerntes Wort von Hippokrates befolgt: „Wer stark, gesund und jung bleiben will, sei mäßig, übe den Körper, atme reine Luft und heile sein Weh eher durch Fasten als durch Medikamente.“ 
Die neusten Forschungen, die deutlichen Ergebnisse des zunehmend  psychosomatischen Herangehens an unsere Gesundheitsprobleme beweisen: die innere Einstellung des Patienten geht in ihrer Wirkung bis hin zur Selbstheilung! 
Also bin ich auch zur Operation meines linken Kniegelenks am 28. August dieses Jahres mit dieser für mich immer hilfreichen Einstellung ins Krankenhaus gegangen. Dazu kann, wer will, etwas in meinem Blog http://erlebnis-leben.blogspot.com/ nachlesen. Hier in diesem Post geht es um die Motivation. 
Weil ich das Glück hatte, mit einem am Hüftgelenk operierten, 150 kg schweren und dennoch optimistischen Mann in einem Krankenzimmer zu liegen, konnte ich das positive Ergebnis unser beider „Heilstimmung“ auf den Verlauf unserer Gesundung verfolgen. Bei uns herrschte immer gute Stimmung, niemals Langeweile – obwohl wir den vorhandenen modernen Fernsehapparat nicht ein einziges Mal eingeschaltet haben. Wir konnten einander aus unserer Berufserfahrung viel Interessantes mitteilen. Er aus dem für mich fremden Kalibergbau – ich aus der Luftfahrt. 
Er war einen Tag vor mir operiert worden – entlassen wurden wir beide am gleichen Tag. Ein Beweis für die Güte der Operationen - echte "Heilkunst" eben. 
In der ambulanten Rehabilitation habe ich mich nicht auf die „weiche Welle“ lenken lassen. Man kann sich ja zurückhalten bei den unumgänglichen, hin und wieder schmerzhaften Übungen, um eine Verlängerung der Reha von einer oder zwei Wochen zu provozieren. Aber ich wollte nach Hause, habe mich ein wenig gequält und bereits nach zwei Wochen zu Verwunderung des betreuenden Arztes die Krücken in die Ecke gestellt. Denn ich hatte ja vom Facharzt im Vorfeld gesagt bekommen, dass meine Knochen sehr stabil seien. Dazu hatte ich das Röntgenbild der Prothese gesehen und erfasst, dass mir bei vorsichtigem Gehen keine Gefahren drohen. Als mir zur Abschlussuntersuchung der Orthopäde sagte, mein Gangbild sei in Ordnung, war ich es zufrieden. 
Auch Chefarzt Dr. Meyer, der mich operiert hatte, war bei meinem unerwarteten „Abschiedsbesuch“ nach der Reha bei ihm, um mich zu bedanken, mit Narbe und Gang sehr zufrieden. 
Zu meinem Prinzip positiven Herangehens an Lebenssituationen gehört auch, lieber einmal öfter jemandem, der mir Gutes tat, auch zu danken. Denn jedes echte „Dankeschön“ ist dem Bedankten etwas wert – kostet einen selbst nur eines oder einige Worte. 

Zu der positiven Einstellung von Kranken habe ich soeben einen Report im ukrainischen Fernsehen angeschaut. Ein schmales Mädchen mit übergroßen dunklen Augen, das seit acht Jahren wegen einer schweren Störung im Bett liegen musste, ist nach komplizierten Operationen in einem Gipsverband, der beide Beine fast rechtwinklig voneinander spreizt. Es wird anschließend mühselig eine extrem lange Rehabilitation durchleben müssen. Allerdings leuchteten ihre Augen, als sie sagte: „Ich weiß, ich werde gehen und sogar laufen können.“ 

Bleiben Sie recht gesund und guter Stimmung!

Ihr 

Siegfried Newiger









06.08.15

Seelenfrieden



Die besonders ansehnliche und gebildete Moderatorin einer für mich sehr sehenswerten ukrainischen Fernsehsendung bat letztens ihren Gast, einen grusinischen (georgischen) Künstler vor dem Abspann, zum servierten Glas Rotwein einen Trinkspruch auszubringen. Nach einigem Nachdenken meinte er: „Lasse uns auf den Frieden trinken. Nicht im Sinne der Beendigung des Waffengangs im Osten, sondern so, wie er häufig als dritter Tost in meiner Heimat modifiziert ausgebracht wird – auf den Seelenfrieden. Dass wir ihn persönlich anstreben und erreichen, damit wir in unserer Familie, mit den Freunden und mit allen Menschen unserer Umgebung in Harmonie zufrieden leben können.“ 
Dieser Trinkspruch hat mich beeindruckt. Vor allem, als ich nach einer Viertelstunde auf einem anderen Kanal wie vorgesehen den Film zum Atombombenabwurf auf Hiroshima sah. Zu diesem schreibe ich aber unter http://mein-ostblock.blogspot.com/ einen anderen Post. Denn ich erinnerte mich an einen Vorgang, den ich im obigen Zusammenhang nicht verschweigen sollte. 

An dem Abend, da ich den oben zitierten Trinkspruch hörte, hatte ich mit meinem Stiefsohn eine kleine Auseinandersetzung. Er ist Koch von Beruf und hat einen extrem ausgeprägten Geruchssinn. Nicht zum ersten Mal kam er von Arbeit relativ spät heim und sagte nach dem Gruß sofort und laut: „Wonach stinkt das denn hier?“ Da seine immer ihn zu verteidigen bereite Mama nicht, sondern nur seine Verlobte anwesend war, hakte ich nach. Ich fände es beleidigend für alle Anwesenden, wenn er auf so grobe Art ihn beunruhigende Gerüche bezeichnete. Immerhin müssten danach wir uns die Jacke anziehen, für „Gestank“ verantwortlich zu sein. Er verteidigte sich mit seine „Kochnase“. Mein Argument, er könne doch auch fragen: „Was wurde denn hier gekocht?“ oder ähnliches, das nicht so beleidigend wäre, nahm er etwas murrend zur Kenntnis. Seine Verlobte schwieg diplomatisch. Ob sie mit ihm später über die Angelegenheit gesprochen hat, weiß ich nicht. 
Als ich am Folgemorgen mit dem Hund zum Spaziergang aufbrach, war Pascha schon munter. Was ich nicht wusste – er musste etwas früher auf Arbeit in Kiew sein. Wir trödelten wie gewohnt mit Hund Kai ein wenig – er musste viele Grashalme beschnuppern. Hinter mir ertönten rasche Schritte. Wie üblich drehte ich mich nach denen nicht um. Aber da strich mir jemand sanft mit der Hand von hinten über meine Igelfrisur. Ein Blick zur Seite – das war Pascha. 
Er hat unter bestimmten Umständen trotz seiner schon 37 Jahre die Angewohnheit, diese bei anderen ganz unübliche männliche Zärtlichkeit an mich zu verschenken. „Ich fahre!“ sagte er nur. Begriffen hatte ich schon vor seinen Worten, dass wir beide wieder klar mit einander waren, unseren Seelenfrieden erreicht hatten. Auf dem Spaziergang konnte ich mehrfach lächeln – die Streicheleinheit tat das ihre dazu. 
Meine auch ohne diese Begebenheit wache Aufmerksamkeit bemerkte etwas in dieser Gegend nicht besonders häufiges. Als wir am Eingang zum Armeelazarett vorbeiliefen, auf dessen Territorium eine kleine Kirche sichtbar ist, kam uns ein Mann entgegen, der sich sehr verstohlen bekreuzigte. Sehr offen hatte ich diese Art Ehrerweisung in der Westukraine gesehen, wenn sogar die meisten Fahrgäste von Autobussen bei Passieren von Kirchen oder Kapellen ein Kreuz schlugen. Also ordnete ich die Geste des einzelnen Gläubigen auch nach dem grusinischen Trinkspruch ein. Sie hat seinen Seelenfrieden bestärkt. 

Bleiben Sie recht gesund! 

Ihr 

Siegfried Newiger 





05.08.15

Verlust - Gewinn



Beim gestrigen Morgenspaziergang wurde ich angesprochen. Der Mann hieß, wie ich danach erfuhr, Michael Georgiewitsch. Seine Anrede war eigenartig: „Väterchen, wie ist die Lage? Haben wir Mariupol schon aufgegeben?“ Da musste ich ihn fragen, wieso er mir diese Frage stellte. „Ihnen sieht man doch den Militär auf den ersten Blick an.“ Wir machten uns bekannt und nach Austausch von Meinungen zum aktuellen Geschehen fragte mich der pensionierte Oberst, warum ich mit dem Hund nicht im Park Alexandrija spazieren gehe. Meinen Einwand, dass dort Hunde nicht erwünscht sind, beantwortete er damit, dass er nach meiner Heimat fragte. Ukrainern ist das Verbot nämlich schnuppe. Als ich erklärte, Deutscher zu sein, fragte er, ob ich denn überhaupt den bekannten Dendropark schon besucht hätte. Den Beweis lieferte ich sofort. Denn konnte ich ihm genau beschreiben, wo die Danksäule für einen deutschen Gartenarchitekten zu seinem 50-sten Dienstjubiläum steht. Er seinerseits musste eingestehen, dass er diese für eine Art Grabstein gehalten hätte. Durch meine offenen Augen war ich ihm also überlegen, ohne ihn zu beleidigen.  

Gestern war ich nachmittags bei meiner Zahnärztin. Sie fragte nach der Begrüßung: „Worüber beschweren sie sich?“ Da ich keine Beschwerden hatte, wollte sie den Grund meines Besuchs wissen. Ich informierte sie über die Operation an meinem linken Kniegelenk vom Monatsende in Berlin. Sie als Medizinerin wisse sicher besser als ich, dass zur Vermeidung von Komplikationen keine Infektionsherde im Körper des Patienten vorhanden sein sollten – auch keine versteckten. „Sie kenne ich doch schon lange, weil sie ständig rechtzeitig vor größeren Schäden am Gebiss zu mir kommen. Allerdings hatte ich sie bisher nicht als so angenehm vorausschauend eingeschätzt.“ Die Durchsicht ergab keine Probleme. Mit besten Wünschen für die OP wurde ich entlassen. Das freut denn doch auch. 

Auf dem heutigen, etwas verspäteten Morgenspaziergang mit Hund kam ich heimwärts gehend am Ableger des eigentlichen Marktes vorbei. Auf der recht breiten Spazierallee am Kreuzweg zum Basar hatten sich „fliegende Händler“ eingefunden. Sie verkaufen Blumen, Obst und Gemüse um einiges preiswerter als die Nutzer der Marktstände. Denn auf dem Rynok (auch Basar auf Russisch) sind je Platz gewisse Beträge zu zahlen. Diese Kosten werden wie üblich mit auf den Kunden abgewälzt – über den Preis. Marktwirtschaft eben. Weil bei einer Verkäuferin sauber ausgelesene junge, genauer noch saftige Saubohnen für fünf Hrywna je volles Marmeladenglas angeboten wurden, zahlte ich zwei Hrywna an mit der Bemerkung, dass ich in 15 Minuten mit dem restlichen Geld für vier Gläser voll wieder da sein würde. 
Als ich nach etwa erst 25 Minuten ankam, war die fliegende Händlerin ausgeflogen. Einige Plätze weiter saß eine Oma, die ihre frischen Saubohnen für vier Hrywna das Glas voll anbot. Also zahlte ich 16 Hrywna für die Ware, für welche ich im anderen Fall hätte 18 auf die Hand legen müssen. Hatte meine Vorkasse eingespielt, dazu noch, wenn auch notgedrungen, rund 400 m Spazierweg zugelegt. Außerdem werde ich heute eine gesunde Delikatesse essen. So habe ich einen scheinbaren kleinen Verlust ganz einfach durch eine andere Sicht auf das gesamte Geschehene in ein positives Gefühl wandeln können.

Mit den drei hier geschilderten Vorgängen habe ich erneut etwas vom Verhalten realisiert, zu dem mir ein Freund vor kurzem einen Artikel schickte: „Ein Grund für die Langlebigkeit vieler Japaner“. Meine Übersetzung ins Deutsche werde ich hier veröffentlichen, wenn sie fertig ist.  

Bleiben Sie recht gesund! 

Ihr 

Siegfried Newiger